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Karenz in Österreich: Modelle, Dauer und Kinderbetreuungsgeld

Mutter in Karenz mit Baby zu Hause

Nach der Geburt zu Hause beim Kind bleiben und trotzdem finanziell abgesichert sein - das ermöglicht die Karenz. Doch das österreichische System mit seinen verschiedenen Modellen wirkt auf den ersten Blick kompliziert. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären, wie lange Sie in Karenz gehen können, welche Kinderbetreuungsgeld-Modelle es gibt und worauf Sie achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Karenz ist die arbeitsrechtliche Auszeit, Kinderbetreuungsgeld die finanzielle Leistung dazu
  • Beim Kinderbetreuungsgeld gibt es zwei Modelle: das pauschale Konto und das einkommensabhängige
  • Teilen sich beide Eltern die Karenz, gibt es mehr Geld und länger Anspruch
  • Der Partnerschaftsbonus belohnt eine partnerschaftliche Aufteilung mit je 500 Euro

Karenz und Kinderbetreuungsgeld - was ist der Unterschied?

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden. Die Karenz ist die arbeitsrechtliche Freistellung: Sie haben das Recht, nach der Geburt bei vollem Kündigungsschutz zu Hause beim Kind zu bleiben und danach an Ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Das Kinderbetreuungsgeld (KBG) ist dagegen die staatliche Geldleistung, die Sie in dieser Zeit beziehen. Beides ist rechtlich getrennt, hängt aber in der Praxis eng zusammen. Die Karenz beginnt nach dem Ende des Mutterschutzes und muss mindestens zwei Monate dauern.

Wie lange kann man in Karenz gehen?

Die arbeitsrechtliche Karenz ist an das Alter des Kindes gebunden. Nimmt nur ein Elternteil Karenz in Anspruch, dauert sie längstens bis zum 22. Lebensmonat des Kindes. Teilen sich beide Elternteile die Karenz, endet sie spätestens am Tag vor dem zweiten Geburtstag des Kindes. Ein Wechsel zwischen den Eltern ist möglich - so kann etwa zuerst die Mutter, dann der Vater in Karenz gehen. Wichtig: Wer Karenz nimmt, muss mit dem Kind in einem gemeinsamen Haushalt leben.

Modell 1: Das pauschale Kinderbetreuungsgeld (KBG-Konto)

Beim Kinderbetreuungsgeld-Konto können Eltern flexibel wählen, wie lange sie das Geld beziehen möchten - je kürzer, desto höher der Tagesbetrag, je länger, desto niedriger. Der Gesamtbetrag ist für alle gleich und liegt 2026 bei rund 15.016 Euro, wenn ihn ein Elternteil bezieht. Teilen sich beide Eltern das Konto, steigt die Summe auf rund 18.760 Euro - davon sind rund 3.744 Euro für den zweiten Elternteil reserviert und nicht übertragbar. Ein Elternteil kann das Geld etwa 12 bis 28 Monate lang beziehen, beide gemeinsam rund 15 bis 35 Monate. Der Tagsatz bewegt sich 2026 je nach gewählter Dauer zwischen etwa 41,14 Euro (kürzeste Variante) und 17,65 Euro (längste Variante).

Modell 2: Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld

Das einkommensabhängige Modell richtet sich an Eltern, die vor der Geburt gut verdient haben und nur relativ kurz zu Hause bleiben möchten. Hier beträgt das Kinderbetreuungsgeld 80 Prozent des vorherigen Einkommens, maximal aber rund 80,12 Euro pro Tag beziehungsweise etwa 2.400 Euro im Monat (2026). Der Bezug ist bis zum ersten Geburtstag des Kindes möglich; teilen sich beide Eltern, verlängert sich der Anspruch bis zum 14. Lebensmonat. Dieses Modell lohnt sich vor allem für Besserverdienende, die rasch wieder in den Beruf einsteigen wollen.

Zuverdienstgrenzen: Wie viel darf man dazuverdienen?

Auch während des Kinderbetreuungsgeld-Bezugs darf man in gewissem Rahmen dazuverdienen. Beim pauschalen KBG-Konto liegt die Grenze 2026 bei rund 18.000 Euro pro Jahr, beim einkommensabhängigen Modell bei rund 8.600 Euro pro Jahr. Wer mehr verdient, muss mit einer Rückforderung rechnen. Diese Grenzen sind wichtig, wenn man etwa in Teilzeit oder geringfügig weiterarbeiten möchte.

Der Partnerschaftsbonus

Der Staat belohnt es, wenn sich beide Eltern die Kinderbetreuung partnerschaftlich teilen. Beziehen beide Elternteile für etwa gleich lange Zeiträume Kinderbetreuungsgeld - im Verhältnis zwischen 40:60 und 50:50, wobei jeder mindestens 124 Tage beziehen muss -, gibt es den Partnerschaftsbonus: eine einmalige Zahlung von je 500 Euro pro Elternteil, also 1.000 Euro für das Paar. Das ist ein finanzieller Anreiz, damit auch Väter stärker in die Betreuung eingebunden werden.

Häufige Fragen zur Karenz

Wie lange kann ich in Karenz gehen?

Ein Elternteil allein bis zum 22. Lebensmonat des Kindes, beide gemeinsam bis zum Tag vor dem zweiten Geburtstag. Die Karenz muss mindestens zwei Monate dauern.

Welches Kinderbetreuungsgeld-Modell ist besser?

Das hängt von der Situation ab: Das einkommensabhängige Modell lohnt sich für Besserverdienende, die kurz zu Hause bleiben; das pauschale Konto bietet mehr Flexibilität und passt für längere Auszeiten. Eine Beratung bei der Arbeiterkammer hilft bei der Entscheidung.

Können beide Eltern gleichzeitig in Karenz sein?

Gleichzeitige Karenz ist nur eingeschränkt und einmalig für einen kurzen Zeitraum beim Wechsel möglich. In der Regel wechseln sich die Eltern ab.

Fazit

Das österreichische Karenzsystem bietet Familien viel Flexibilität - vom kurzen, gut bezahlten einkommensabhängigen Modell bis zur langen Auszeit über das pauschale Konto. Wer sich die Betreuung mit dem Partner teilt, profitiert von längerem Anspruch, mehr Geld und dem Partnerschaftsbonus. Weil die Wahl des richtigen Modells von der individuellen Situation abhängt und finanziell weitreichend ist, lohnt sich vor der Entscheidung eine kostenlose Beratung bei der Arbeiterkammer oder der ÖGK.

Weitere Beiträge rund um Familie und Kinder finden Sie in unserer Familie-Rubrik.

Stand: Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr - maßgeblich sind die offiziellen Auskünfte von ÖGK, Arbeiterkammer und dem zuständigen Amt.

Mehr dazu
  1. Altersteilzeit in Österreich 2026: Voraussetzungen, Modelle und Lohnausgleich
  2. Kindergeld in Österreich 2026: So hoch ist die Familienbeihilfe
  3. Mutterschutz in Österreich: Fristen, Rechte und Wochengeld
  4. Förderungen für Zwillinge und Mehrlinge in Österreich

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