
Jeden Morgen ein Türchen öffnen und der Vorfreude auf Weihnachten ein Stück näherkommen - kaum ein Brauch versüßt die Adventszeit so sehr wie der Adventskalender. Längst muss dahinter nicht mehr nur Schokolade stecken. Ein selbst gestalteter Kalender wird zum persönlichen Geschenk, das Sie genau auf das Kind, den Partner oder die beste Freundin zuschneiden können - nachhaltig, kreativ und oft mit weit mehr Bedeutung als jede Ware aus dem Supermarktregal. Wie Sie einen Kalender füllen, der wirklich Freude macht, zeigt dieser Überblick.
Eine kurze Geschichte des Adventskalenders
Der Adventskalender ist eine noch gar nicht so alte Erfindung. Seine Wurzeln reichen ins 19. Jahrhundert: In religiösen Familien hängten Eltern im Dezember Tag für Tag eines von 24 Bildern an die Wand, um den Kindern das Warten auf Weihnachten zu verkürzen - die früheste selbst gebastelte Form ist für das Jahr 1851 belegt. Der erste gedruckte Kalender geht auf den Verleger Gerhard Lang zurück, der sich an seine Kindheit erinnerte, in der seine Mutter ihm 24 Gebäckstücke auf einen Karton nähte. 1908 verließ sein erster gedruckter Adventskalender die Presse - damals noch ganz ohne Türchen. Die kleinen Fenster zum Öffnen, wie wir sie heute kennen, kamen erst um 1920 auf. Aus dieser einfachen Idee ist längst eine liebevolle Tradition in unzähligen Varianten geworden.
Kaufen oder selber machen?
Ein gekaufter Schokoladenkalender ist schnell besorgt und günstig - keine Frage. Doch ein selbst gemachter Kalender hat unschlagbare Vorteile: Sie bestimmen den Inhalt, gehen auf die Vorlieben des Beschenkten ein und vermeiden den Müll billiger Wegwerfkalender. Der Aufwand hält sich in Grenzen, wenn Sie rechtzeitig anfangen und die 24 Kleinigkeiten über einige Wochen zusammentragen. Wer einmal einen wiederverwendbaren Kalender angeschafft oder genäht hat, kann ihn zudem Jahr für Jahr neu befüllen - das spart auf Dauer Geld und schont die Umwelt.
Gekaufte Kalender bewusst auswählen
Nicht jeder hat Zeit zum Basteln - und auch ein gekaufter Kalender kann eine gute Wahl sein, wenn Sie bewusst auswählen. Achten Sie bei Schokoladenkalendern auf Fair-Trade- und Bio-Siegel, damit die tägliche Nascherei ohne fragwürdige Produktionsbedingungen auskommt. Bei den beliebten Beauty-, Tee- oder Spielzeugkalendern lohnt der Blick auf das Verhältnis von Inhalt und Verpackung: Manche Kalender bestehen zu großen Teilen aus Plastik und Luft. Wählen Sie lieber ein Modell mit hochwertigem, wirklich nutzbarem Inhalt oder einen nachfüllbaren Kalender, den Sie in den Folgejahren selbst bestücken. So verbinden Sie die Bequemlichkeit des Kaufens mit dem guten Gewissen eines durchdachten Geschenks.
Nachhaltige Behälter für den DIY-Kalender
Bevor es ans Füllen geht, brauchen Sie 24 Behältnisse. Besonders schön und umweltfreundlich sind wiederverwendbare Lösungen:
- Stoffsäckchen: Kleine Beutel aus Stoff lassen sich kaufen oder selbst nähen und jedes Jahr aufs Neue verwenden. An einer Schnur oder Leiter aufgehängt, sind sie ein Hingucker.
- Klopapierrollen: Leere Rollen mit einem kleinen Geschenk füllen, die Enden wie ein Bonbon eindrehen und mit buntem Band verzieren - kostenlos und kreativ.
- Briefumschläge: Ideal für flache Inhalte wie Gutscheine, kleine Botschaften oder die Teile einer fortlaufenden Geschichte.
- Papiertüten oder -kegel: An eine Leine geklammert entsteht im Handumdrehen ein ganzer Adventskalender-Wald.
- Holzkalender: Ein Kalender mit Schubladen oder Fächern aus Holz ist die langlebigste Investition und begleitet die Familie über viele Jahre.
Befüllen für Kinder - jenseits der Schokolade
Kinder freuen sich über die tägliche Überraschung, ganz gleich, ob süß oder nicht. Statt 24-mal Schokolade lohnt sich der Mix aus Kleinigkeiten, die wirklich Freude machen oder ohnehin gebraucht werden:
- Bastel- und Kreativmaterial wie Stifte, Perlen, Aufkleber oder Plätzchen-Ausstecher
- ein Pixi-Buch oder eine Geschichte, die Sie in 24 Teilen erzählen
- nützliche Dinge, die das Kind sowieso braucht - ein Paar Socken, eine Haarspange, ein Radiergummi
- gesunde Naschereien wie Nüsse, Trockenfrüchte oder selbst gemachtes Fruchtleder
- ein Brettspiel oder Bausteine, portionsweise auf mehrere Türchen verteilt
- liebevolle Second-Hand-Funde vom Flohmarkt, die kaum etwas kosten
Achten Sie bei kleinen Kindern unbedingt darauf, keine verschluckbaren Kleinteile einzupacken - die Sicherheit geht immer vor.
Zeit schenken statt Zeug
Der vielleicht schönste Trend sind Gutscheine für gemeinsame Erlebnisse. Sie kosten kein oder wenig Geld, verursachen keinen Müll und schaffen Erinnerungen, die länger halten als jedes Spielzeug. Hinter den Türchen können Einladungen stecken zu einem gemeinsamen Keksbacken, einer Nachtwanderung mit Taschenlampe, einem Kinobesuch, einer Schlittenfahrt, einem Schokofondue-Abend oder einer extra langen Vorlesestunde vor dem Schlafengehen. Gerade in der oft hektischen Vorweihnachtszeit ist bewusst geplante gemeinsame Zeit ein Geschenk, das Kinder mehr schätzen, als Eltern manchmal glauben. Anregungen fürs gemeinsame Werkeln finden Sie in unseren Ratgebern zum Weihnachtsbasteln und zum Kochen mit Kindern.
Adventskalender für Erwachsene
Auch Erwachsene freuen sich über 24 kleine Aufmerksamkeiten - ein selbst gefüllter Kalender ist ein wunderbares Geschenk für den Partner, die Eltern oder eine gute Freundin. Bewährte Ideen sind hochwertige Kleinigkeiten wie einzelne Pralinen in Bio-Qualität, verschiedene Teesorten, Gewürzportionen aus dem eigenen Vorrat oder Saatgut für das Frühjahr. Besonders persönlich wird es mit Selbstgemachtem - Marmelade, Plätzchen oder Pflegeprodukte - und mit kleinen Botschaften: Für einen Partnerkalender lassen sich hinter jedem Türchen ein Kompliment, eine schöne gemeinsame Erinnerung oder ein Gutschein für einen Filmabend verstecken. So wird aus dem Kalender eine tägliche Liebeserklärung.
Ein Kalender mit Thema
Besonders reizvoll wird ein Adventskalender, wenn er einem roten Faden folgt, statt bunt gemischte Kleinigkeiten aneinanderzureihen. Ein Themenkalender lässt sich wunderbar auf die Leidenschaften des Beschenkten zuschneiden. Für Leseratten füllen Sie 24 kurze Geschichten, Gedichte oder je ein Pixi-Buch ein. Ein Bade- und Wohlfühlkalender versammelt selbst gemachte Badebomben, Seifen und Cremeproben - ideal für gestresste Erwachsene. Kleine Sammler freuen sich über eine Bausteinfigur oder ein Sammelkärtchen pro Tag, das sich über den Monat zu einem Set zusammenfügt. Und ein Ausflugskalender versteckt hinter jedem Türchen die Idee für eine gemeinsame Winteraktivität - vom Schlittschuhlaufen bis zum Besuch am Christkindlmarkt. Ein Thema gibt dem Kalender eine Handschrift und erspart Ihnen das mühsame Zusammensuchen von 24 zusammenhanglosen Dingen.
Der Vorlese-Adventskalender: 24 Geschichten
Eine der schönsten und günstigsten Ideen kommt ganz ohne Gegenstände aus: der Vorlese-Adventskalender. Dabei steckt hinter jedem Türchen der nächste Teil einer fortlaufenden Weihnachtsgeschichte oder jeden Tag eine kurze, in sich geschlossene Wintergeschichte. Sie können eine bestehende Geschichte in 24 Abschnitte aufteilen oder selbst kleine Erlebnisse rund um eine Lieblingsfigur erfinden. Das abendliche Vorlesen wird so zum festen Ritual, auf das sich Kinder den ganzen Tag freuen - und das die Vorfreude auf Weihnachten Tag für Tag wachsen lässt. Kombinieren Sie die Geschichte nach Belieben mit einer winzigen passenden Beigabe, etwa einem gebastelten Figürchen zur jeweiligen Szene.
Eine gute Tat pro Tag
Ein Adventskalender muss nicht immer etwas geben - er kann auch dazu anregen, etwas zu tun. Beim Umkehr- oder Gute-Tat-Kalender steht hinter jedem Türchen ein kleiner Auftrag: jemandem eine Freude machen, für einen guten Zweck spenden, ein Vogelhäuschen füllen, den Nachbarn Kekse vorbeibringen oder einem Familienmitglied helfen. Gerade Kindern vermittelt das den eigentlichen Kern der Adventszeit - dass Schenken und Teilen glücklich machen. Diese Variante lässt sich mühelos mit einem klassischen Kalender kombinieren, indem Sie einzelne Türchen mit kleinen Aufgaben statt Geschenken bestücken.
Der richtige Rahmen: altersgerecht und stressfrei
Damit das Befüllen Freude macht und nicht in Stress ausartet, helfen ein paar Grundregeln. Passen Sie die Inhalte an das Alter an: Kleinkinder brauchen einfache, sichere Dinge, Schulkinder freuen sich über kleine Herausforderungen und Sammelobjekte. Setzen Sie sich ein realistisches Budget und lassen Sie sich nicht zu einer Materialschlacht verleiten - nicht jedes Türchen muss ein großes Geschenk bergen, im Gegenteil. Ein Wechsel aus Kleinigkeit, gesunder Nascherei und gemeinsamer Zeit ist genau richtig. Beginnen Sie rechtzeitig mit dem Sammeln, dann bleibt genug Ruhe, um mit Liebe statt in letzter Minute zu füllen.
Worauf es wirklich ankommt
Am Ende geht es beim Adventskalender nicht um den materiellen Wert der 24 Kleinigkeiten, sondern um das tägliche Ritual: das Öffnen am Morgen, die kleine Überraschung, das Zählen der Tage bis Weihnachten. Dieses wiederkehrende Innehalten in der Adventszeit ist der eigentliche Schatz - ein gemeinsamer Moment, der den Tag festlich beginnen lässt. Wer das im Blick behält, füllt seinen Kalender ganz automatisch mit dem Richtigen: mit Vorfreude, Aufmerksamkeit und gemeinsamer Zeit. Die schönsten Kalender sind selten die teuersten, sondern die persönlichsten.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit dem Befüllen anfangen?
Am besten Wochen im Voraus. So können Sie in Ruhe passende Kleinigkeiten sammeln, statt in der letzten Novemberwoche gehetzt einzukaufen.
Wie viel Geld sollte ich pro Türchen ausgeben?
Es gibt keine Regel. Viele kleine oder ideelle Inhalte wie Gutscheine kosten kaum etwas. Setzen Sie sich ein Gesamtbudget und verteilen Sie es locker über die 24 Tage.
Ist ein Adventskalender ohne Süßigkeiten für Kinder langweilig?
Ganz im Gegenteil. Die Abwechslung aus Basteldingen, kleinen Spielen und gemeinsamer Zeit sorgt oft für mehr Begeisterung als 24-mal dieselbe Schokolade.
Kann ich einen Adventskalender wiederverwenden?
Ja. Ein Kalender aus Stoffsäckchen, Holzfächern oder Briefumschlägen lässt sich jedes Jahr neu befüllen - gut für die Umwelt und den Geldbeutel.
Stand: Juli 2026. Viele weitere Befüllideen für Kinder und Erwachsene bietet ÖKO-TEST.