
Eine vollere Brust ganz ohne Implantat, dafür mit dem eigenen Fett aus Bauch oder Hüfte: Die Brustvergrößerung mit Eigenfett, in der Fachsprache Lipofilling genannt, klingt nach der idealen Lösung. Sie hat tatsächlich handfeste Vorteile, aber auch klare Grenzen. Wer mit realistischen Erwartungen an das Thema herangeht, kann besser einschätzen, ob dieser Eingriff für sie infrage kommt oder ob ein Implantat die passendere Wahl wäre.
Wie das Verfahren funktioniert
Beim Lipofilling wird körpereigenes Fettgewebe an einer Stelle abgesaugt, an der es im Überschuss vorhanden ist, und anschließend in die Brust eingebracht. Das Fett wird meist an Bauch, Hüften, Oberschenkeln oder Gesäß mittels Fettabsaugung entnommen, aufbereitet und dann in feinen Portionen in die Brust injiziert. Der Eingriff verbindet also zwei Effekte: Die Spenderregion wird schlanker geformt, während die Brust an Volumen gewinnt. Genau diese Doppelwirkung macht die Methode für viele Frauen attraktiv.
Die Vorteile im Überblick
- Natürliches Ergebnis: Da körpereigenes Gewebe verwendet wird, fühlt sich die Brust weich und natürlich an und fügt sich harmonisch in die vorhandene Form ein.
- Kaum Abstoßungsrisiko: Weil es sich um eigenes Gewebe handelt, entfällt das Risiko von Unverträglichkeiten, wie es bei Fremdmaterial denkbar wäre.
- Körperformung inklusive: Die notwendige Fettabsaugung verbessert zugleich die Silhouette an der Entnahmestelle, ein willkommener Nebeneffekt.
- Keine Fremdkörper: Es bleibt kein Implantat im Körper, das später einmal getauscht werden müsste.
- Mammografie weiterhin möglich: Die Brust bleibt für die Vorsorgeuntersuchung zugänglich, auch wenn erfahrene Radiologen die Aufnahmen sorgfältig beurteilen müssen.
Die Grenzen der Methode
So verlockend das klingt, das Lipofilling kann nicht alles. Die wichtigste Einschränkung betrifft die Größe: Pro Eingriff lässt sich die Brust in der Regel um höchstens eine Körbchengröße vergrößern. Wer sich eine deutlich üppigere Brust wünscht, kommt um ein Implantat nicht herum. Der Grund liegt in der Biologie: Jede verpflanzte Fettzelle muss während der Heilung einen eigenen Anschluss an die Blutversorgung finden, um dauerhaft zu überleben. Wird zu viel Fett auf einmal eingebracht, sterben Zellen ab. Deshalb ist das Volumen pro Sitzung begrenzt.
Hinzu kommt, dass nicht alles eingebrachte Fett erhalten bleibt. Ein Teil des transplantierten Gewebes wird vom Körper in den ersten Monaten wieder abgebaut, oft rund ein Drittel bis die Hälfte. Das endgültige Ergebnis zeigt sich daher erst nach einigen Monaten, wenn sich das Volumen stabilisiert hat. Um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, sind teils zwei bis drei Sitzungen nötig. Voraussetzung ist außerdem, dass überhaupt genügend Eigenfett zur Entnahme vorhanden ist, sehr schlanke Frauen sind dafür weniger geeignet.
Mögliche Risiken
Wie jeder operative Eingriff ist auch das Lipofilling nicht ohne Risiken. Möglich sind Dellen oder Unregelmäßigkeiten an der Entnahmestelle, Infektionen, Asymmetrien und eine ungleichmäßige Aufnahme des Fetts. In manchen Fällen bilden sich Fettgewebsnekrosen, also Areale abgestorbenen Fetts, die zu tastbaren Knoten oder Verkalkungen führen können. Solche Veränderungen sind gutartig, müssen aber bei der Brustkrebsvorsorge fachkundig von auffälligen Befunden unterschieden werden. Sehr selten kommt es zu veränderter Empfindlichkeit der Brust. Eine gründliche Aufklärung durch die Ärztin über diese Punkte gehört zwingend zu jeder seriösen Beratung.
Was der Eingriff kostet
Die Brustvergrößerung mit Eigenfett ist ein rein ästhetischer Eingriff und damit keine Leistung der Krankenkasse. Die Kosten tragen Sie selbst. Sie bewegen sich im Bereich mehrerer Tausend Euro, in Deutschland liegt der Durchschnitt bei etwa 6.000 Euro, und in Österreich ist eine ähnliche Größenordnung zu erwarten. Der Preis hängt stark vom Umfang der Fettabsaugung und von der Zahl der nötigen Sitzungen ab. Weil eventuell mehrere Eingriffe erforderlich sind, sollten Sie die Gesamtkosten realistisch kalkulieren und sich nicht nur am Preis für eine einzelne Sitzung orientieren.
Ablauf und Erholung
Der Eingriff erfolgt je nach Umfang in einer Dämmerschlaf- oder Vollnarkose und dauert einige Stunden. Zunächst wird an der Spenderregion das Fett schonend abgesaugt, aufbereitet und gereinigt, danach in die Brust eingebracht. In vielen Fällen ist das Lipofilling ambulant oder mit nur kurzem stationärem Aufenthalt möglich. Nach der Operation tragen Sie an der Entnahmestelle für einige Wochen Kompressionswäsche, die das Gewebe formt und Schwellungen reduziert. Blutergüsse und ein Spannungsgefühl in den ersten Tagen sind normal. Mit einer Ausfallzeit von etwa ein bis zwei Wochen sollten Sie rechnen, auf Sport und starke Belastung verzichten Sie in der Regel für mehrere Wochen. Wichtig ist, in der Heilungsphase die Anweisungen der Ärztin genau einzuhalten, damit möglichst viel des verpflanzten Fetts dauerhaft einheilt.
Für wen sich Lipofilling eignet
Die Methode ist vor allem für Frauen interessant, die sich eine moderate, natürliche Vergrößerung wünschen und Fremdmaterial ablehnen. Auch zum Ausgleich kleiner Asymmetrien oder zur Formkorrektur, etwa nach einer Schwangerschaft, wird das Verfahren eingesetzt. Wer dagegen eine deutliche Vergrößerung anstrebt oder sehr schlank ist, findet mit einem Implantat oft das passendere Ergebnis. Entscheidend ist ein ausführliches Beratungsgespräch bei einer erfahrenen Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Dort werden Ausgangssituation, Wünsche und Risiken individuell besprochen. Nehmen Sie sich Zeit für diese Entscheidung, holen Sie im Zweifel eine zweite Meinung ein und lassen Sie sich nicht zu einem raschen Eingriff drängen. Wer sich für Eingriffe zur Körperformung interessiert, findet in unserem Beitrag zur Bauchdeckenstraffung weitere Informationen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob ein solcher Eingriff für Sie sinnvoll und möglich ist, klären Sie ausschließlich im persönlichen Gespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.
Quellen: DGÄPC: Brustvergrößerung mit Eigenfett und Universitätsspital Zürich: Brustvergrößerung mit Eigenfett.