Das Online Frauenjournal

  • Promis
  • TV
  • Gesundheit
  • Mode
  • Finanzen
  • Wohnen
  • Beauty
  • Familie
  • Reisen
  • Liebe
  • Beruf

Bakuchiol: Was die pflanzliche Retinol-Alternative wirklich kann

Frau um die 45 im Badezimmer gibt Serum aus einer Glaspipette auf ihre Fingerspitzen

Die Studie, auf die sich praktisch die gesamte Bakuchiol-Werbung stützt, umfasste 44 Personen und lief zwölf Wochen. Das Ergebnis war beachtlich: Der pflanzliche Wirkstoff verbesserte Falten und Pigmentflecken so deutlich wie Retinol - bei weniger Hautreizungen. Nur steht in derselben Studie auch, dass die Bakuchiol-Gruppe ihre Creme doppelt so oft auftragen musste. Solche Details entscheiden darüber, was ein Wirkstoff im Alltag wirklich leistet.

Was Bakuchiol ist - und was es mit Retinol zu tun hat

Bakuchiol ist ein Meroterpen-Phenol aus den Samen und Blättern von Psoralea corylifolia, im Deutschen meist Babchi genannt. Die Pflanze wird in der ayurvedischen Medizin seit Langem verwendet, als Kosmetikwirkstoff ist der isolierte Stoff dagegen jung.

Der entscheidende Punkt für das Verständnis: Bakuchiol ist chemisch kein Retinoid. Es hat mit Vitamin A keine strukturelle Ähnlichkeit. Trotzdem greift es in ähnliche Vorgänge in der Haut ein. Eine Untersuchung an Hautmodellen und Bindegewebszellen zeigte, dass Bakuchiol viele derselben Gene an- und abschaltet wie Retinol, darunter jene für Kollagen vom Typ I, III und IV. Die Arbeit stammt von Chaudhuri und Bojanowski (2014) - und einer der beiden Autoren arbeitete bei dem Unternehmen, das Bakuchiol als Rohstoff an die Kosmetikindustrie verkauft. Das entwertet die Daten nicht, gehört bei der Einordnung aber dazu, so wie bei anderen herstellernahen Wirkstoffstudien auch.

Fachlich heißt das: Bakuchiol ist ein funktionelles Analogon zu Retinol, kein chemisches. Es tut Ähnliches, ohne dasselbe zu sein. Diese Unterscheidung erklärt beide Seiten der Bilanz - die Wirkung und die bessere Verträglichkeit.

Die Vergleichsstudie: Bakuchiol gegen Retinol

Die maßgebliche Untersuchung erschien 2019 im British Journal of Dermatology. Dhaliwal und Kolleginnen teilten 44 Teilnehmende randomisiert und doppelblind in zwei Gruppen: Die einen trugen zwölf Wochen lang eine Creme mit 0,5 Prozent Bakuchiol auf, die anderen eine mit 0,5 Prozent Retinol. Hochauflösende Gesichtsaufnahmen nach 0, 4, 8 und 12 Wochen wurden ausgewertet, zusätzlich beurteilte eine Dermatologin Pigmentierung und Rötung, ohne zu wissen, wer welches Präparat bekommen hatte.

Beide Wirkstoffe verringerten die von Falten bedeckte Hautfläche und die Hyperpigmentierung signifikant. Zwischen den Gruppen ließ sich kein statistischer Unterschied nachweisen. Deutlich unterschiedlich war dagegen die Verträglichkeit: Die Retinol-Gruppe berichtete häufiger über schuppende Haut und ein Brennen.

Zwei Einschränkungen gehören zu einer ehrlichen Darstellung dieses Ergebnisses. Erstens die Anwendungshäufigkeit: Bakuchiol wurde zweimal täglich aufgetragen, Retinol nur einmal. Der Satz „genauso wirksam wie Retinol” gilt also für die doppelte Anwendungsfrequenz - eine Einschränkung, die in der Produktwerbung praktisch nie auftaucht. Zweitens ist eine Gruppe von 44 Personen klein. Sie reicht, um einen deutlichen Effekt sichtbar zu machen, nicht aber, um seltene Nebenwirkungen zu erfassen oder feine Wirkunterschiede auszuschließen.

Braunglasflasche mit Pipette neben getrockneten Samen und grünen Blättern

Was die gesamte Forschungslage hergibt

Eine einzelne Studie trägt keine Kaufentscheidung. Aufschlussreicher ist die systematische Übersichtsarbeit von Puyana, Chandan und Tsoukas (2022) aus der Dermatologie der University of Illinois at Chicago. Die drei durchsuchten die medizinische Literatur nach allem, was zu Bakuchiol und Haut veröffentlicht wurde, und fanden 30 Arbeiten.

Die Aufschlüsselung ist der eigentliche Befund:

  • 16 präklinische Studien - Zellkulturen und Hautmodelle, kein Mensch
  • 7 klinische Studien am Menschen
  • 3 Kommentare, 2 Übersichtsartikel, 1 Bericht über eine Nebenwirkung

Untersucht wurde Bakuchiol vor allem bei Lichtalterung, Akne und postentzündlicher Hyperpigmentierung, also den dunklen Flecken, die nach abgeheilten Pickeln zurückbleiben. Die Ergebnisse fielen dabei vergleichbar zu denen aus, die mit Retinoiden erreicht werden. Das Fazit der Autorinnen und Autoren ist trotzdem zurückhaltend: Es brauche weitere Studien, um die Anwendungsmöglichkeiten besser zu verstehen.

Zur Einordnung: Sieben klinische Studien sind für einen Kosmetikwirkstoff nicht wenig, für eine belastbare Evidenzbasis aber auch nicht viel. Retinol wird seit den 1980er-Jahren erforscht. Wer beides gegeneinander abwägt, vergleicht eine gut belegte Wirkung mit vielen Nebenwirkungen gegen eine plausible Wirkung mit wenigen.

Die Verträglichkeit ist der am besten belegte Vorteil

Wer Retinol beginnt, kennt meist die ersten Wochen: gerötete, spannende, schuppende Haut. In der Fachsprache heißt diese Eingewöhnungsphase Retinisierung. Sie geht vorbei, führt aber dazu, dass viele die Anwendung abbrechen, bevor überhaupt etwas zu sehen wäre.

Genau hier liegt die Stärke von Bakuchiol, und zwar als einziger Punkt mit direktem Vergleichsbeleg: In der Studie von 2019 trat diese Reizung bei den Bakuchiol-Anwendenden seltener auf. In der gesamten Übersichtsarbeit über 30 Publikationen findet sich ein einziger dokumentierter Fall einer Kontaktdermatitis.

Für empfindliche Haut, für eine Neigung zu Rötungen oder für alle, die Retinol schon einmal abgesetzt haben, weil die Haut es nicht vertragen hat, ist das ein handfestes Argument. Auch in der kalten Jahreszeit, wenn die Hautbarriere ohnehin strapaziert ist, kann der mildere Wirkstoff die klügere Wahl sein.

Schwangerschaft: Hier geht die Werbung weiter als die Daten

Das meistgenutzte Verkaufsargument für Bakuchiol lautet, es sei die Anti-Aging-Pflege für die Schwangerschaft, weil Retinoide dort tabu sind. Der erste Teil dieser Aussage ist unbelegt, der zweite stimmt.

Zu Bakuchiol in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Studien. Die Begründung der Anbieter ist eine Plausibilitätsannahme: Bakuchiol sei chemisch kein Vitamin-A-Abkömmling, also seien die für Retinoide bekannten Risiken nicht zu erwarten. Das ist nachvollziehbar argumentiert, aber es ist kein Nachweis. Fehlende Daten sind keine Unbedenklichkeitsbescheinigung.

Bei Vitamin-A-Säure ist die Lage besser untersucht. Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum der Charité Berlin, führt eine Metaanalyse von knapp 600 Schwangerschaften nach örtlicher Behandlung an, rund 500 davon mit Tretinoin. Signifikant erhöhte Fehlbildungs- oder Fehlgeburtsraten fanden sich darin nicht. Trotzdem lautet die Empfehlung unverändert, eine örtliche Tretinoin-Behandlung nicht in der Schwangerschaft durchzuführen, denn vereinzelt sind Fälle beschrieben, die einen Zusammenhang nahelegen. Beim Stillen gilt kleinflächige äußerliche Anwendung wegen der geringen Aufnahme als vertretbar, auf der Brust jedoch nicht.

Praktisch heißt das: Wer schwanger ist oder stillt, klärt die Pflegeroutine mit der behandelnden Ärztin oder Hebamme und nicht anhand eines Produktversprechens.

Frau Anfang fünfzig trägt abends vor dem Badezimmerspiegel Creme auf

Babchi-Öl ist nicht dasselbe wie Bakuchiol

Das ist der Unterschied, der beim Kauf am meisten zählt und in Produktbeschreibungen am häufigsten verschwimmt.

Die Babchi-Pflanze enthält neben Bakuchiol weitere Stoffe, darunter Psoralen und Isopsoralen. Diese gehören zu den Furocumarinen und machen die Haut lichtempfindlich. Wer sie aufträgt und in die Sonne geht, riskiert Verbrennungen und Pigmentflecken - also genau das Gegenteil dessen, wofür das Produkt gekauft wurde.

Aufgereinigtes Bakuchiol enthält diese Stoffe nicht. Bei der Herstellung wird der Wirkstoff aus dem Pflanzenmaterial isoliert, die Furocumarine bleiben zurück. Ein kaltgepresstes Babchi-Öl dagegen enthält alles, was die Pflanze mitbringt. Die Dermatologen Najiba Afzal und Raja Sivamani von der University of California in Davis haben 2023 im Journal of Cosmetic Dermatology ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese beiden Dinge im Handel regelmäßig durcheinandergehen - Sivamani war auch an der Vergleichsstudie von 2019 beteiligt.

Der europäische Gesetzgeber sieht Furocumarine kritisch: Die EU-Kosmetikverordnung führt sie in Anhang II unter den verbotenen Stoffen, Eintrag 358. Ausgenommen sind normale Gehalte in natürlichen ätherischen Ölen, und für Sonnenschutz- und Bräunungsmittel gilt eine Obergrenze von unter 1 Milligramm pro Kilogramm.

Erkennbar ist der Unterschied auf der Inhaltsstoffliste, der INCI-Liste auf der Verpackungsrückseite:

  • Bakuchiol - der isolierte, aufgereinigte Wirkstoff
  • Psoralea Corylifolia Seed Oil oder Psoralea Corylifolia Seed Extract - das vollständige Pflanzenöl beziehungsweise der Pflanzenauszug

Steht auf der Vorderseite „Bakuchiol”, auf der Rückseite aber nur der Pflanzenname, handelt es sich nicht um den untersuchten Wirkstoff.

Worauf es beim Produkt ankommt

Kriterium Worauf achten
INCI-Name Bakuchiol muss in der Inhaltsstoffliste stehen, nicht nur Psoralea Corylifolia Seed Oil oder Extract
Konzentration In der Vergleichsstudie 0,5 Prozent; marktüblich sind 0,5 bis 2 Prozent
Anwendung In der Studie zweimal täglich - einmal täglich ist nicht dasselbe Ergebnis
Geduld Gemessen wurde nach zwölf Wochen; vor acht Wochen ist eine Beurteilung wenig sinnvoll
Sonnenschutz Bleibt Pflicht. Lichtalterung ist die Ursache, gegen die beide Wirkstoffe arbeiten
Kombination Retinol und Bakuchiol nicht gleichzeitig neu beginnen - sonst lässt sich nicht zuordnen, was wirkt oder reizt
Empfindliche Haut Vor der ersten großflächigen Anwendung an einer kleinen Stelle testen

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Bakuchiol besser als Retinol?

Nicht besser, sondern anders im Profil. In der einzigen direkten Vergleichsstudie erreichten beide Wirkstoffe nach zwölf Wochen ähnliche Ergebnisse bei Falten und Pigmentflecken, wobei Bakuchiol zweimal täglich und Retinol einmal täglich aufgetragen wurde. Besser verträglich war Bakuchiol. Deutlich besser belegt ist Retinol, das seit Jahrzehnten untersucht wird.

Welche Nebenwirkungen kann Bakuchiol haben?

Die dokumentierte Datenlage ist auffällig unauffällig: In einer Übersicht über 30 Publikationen findet sich ein einziger beschriebener Fall einer Kontaktdermatitis. Das spricht für gute Verträglichkeit, sagt bei dieser Zahl an Studien aber wenig über seltene Reaktionen. Wer zu Allergien neigt, testet zuerst an einer kleinen Hautstelle.

Was ist besser, Hyaluronsäure oder Bakuchiol?

Die Frage stellt sich so nicht, weil die beiden unterschiedliche Aufgaben haben. Hyaluronsäure bindet Feuchtigkeit in der Hornschicht und lässt die Haut kurzfristig praller wirken. Bakuchiol greift in Zellvorgänge ein und zielt auf Falten und Pigmentierung. Sie schließen einander nicht aus, sondern lassen sich kombinieren - dasselbe gilt für Niacinamid.

Für was ist Bakuchiol gut?

Untersucht wurde es vor allem bei Lichtalterung, also Falten und Pigmentflecken durch UV-Strahlung, außerdem bei Akne und bei den dunklen Flecken, die nach abgeheilten Entzündungen zurückbleiben.

Wie lange dauert es, bis Bakuchiol wirkt?

In den Studien wurde nach zwölf Wochen gemessen, mit Zwischenkontrollen nach vier und acht Wochen. Vor zwei Monaten regelmäßiger Anwendung lohnt eine Beurteilung kaum.

Kann ich Bakuchiol in der Schwangerschaft verwenden?

Dazu gibt es keine Studien. Die Aussage, Bakuchiol sei die schwangerschaftstaugliche Retinol-Alternative, ist eine Annahme der Anbieter und kein Nachweis. Besprechen Sie die Pflegeroutine in Schwangerschaft und Stillzeit mit Ihrer Ärztin.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Hauterkrankungen, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit besprechen Sie Ihre Pflegeroutine bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Mehr dazu
  1. Retinol: Wirkung, Anwendung und was die neue EU-Grenze bedeutet
  2. Niacinamid: Was der Wirkstoff kann - und wo die Belege fehlen
  3. Kollagen für Haut, Gelenke und Knochen - so wirkt es wirklich
  4. Stoffwechselkur (hCG-Diät): Was wirklich dahintersteckt

Aktuelle Artikel

Eltern beladen den Kofferraum eines Familien-SUV mit Koffern und Kinderwagen, zwei Kinder warten daneben

Aktuelle SUVs für Familien: Platz, Preise und Sicherheit im Vergleich

Paar tanzt um Mitternacht Walzer auf einem vollen Altstadtplatz mit Wunderkerzen und Konfetti

Silvester in Wien: Silvesterpfad, Bräuche und Glücksbringer

Familie mit zwei Kindern spielt am Küchentisch Karten, die Tochter legt lachend ihre letzte Karte ab

Kartenspiele für Familien: Die besten Spiele für jedes Alter und die UNO-Regeln

Eltern mit Neugeborenem auf dem Sofa, der Vater sieht sich am Laptop einen Sparplan an

Zukunftsdepot für Kinder: Was Eltern jetzt wissen müssen

Christkindlmarkt in einer Südtiroler Altstadt in der Abenddämmerung mit beleuchteten Holzhütten

Weihnachten in Südtirol: Christkindlmärkte, Bräuche und Anreise

Frau im dunkelblauen Kleid und hellem Blazer setzt Jetons am Roulettetisch eines klassischen Casinos

Ein Abend im Casino: Das richtige Outfit und vieles mehr

Frauenjournal.
MAGAZIN FÜR FRAUEN

Lifestyle, Gesundheit, Familie, Finanzen und mehr - das Online-Magazin für Frauen in Österreich.

Kategorien

  • Promis
  • TV
  • Gesundheit
  • Mode
  • Finanzen
  • Wohnen
  • Beauty
  • Familie
  • Reisen
  • Liebe & Hochzeit
  • Beruf & Karriere

Neueste Artikel

  • Tilisuna im Montafon: Tilisunasee, Hütte und Höhlensystem
  • Griffner Schlossberg: Burgruine, Tropfsteinhöhle und Jauntalblick
  • Brücke von Andau: Geschichte, Fluchtstraße und Großtrappen
  • Hutterer Böden: Hössbahn, Hössrunde und Anreise
  • Festung Kufstein: Heldenorgel, Öffnungszeiten und Geschichte

Kontakt & Rechtliches

  • Kontakt & Impressum
  • Datenschutz
© 2026 Frauenjournal Nach oben ↑