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Tilisuna im Montafon: Tilisunasee, Hütte und Höhlensystem

Bergsee mit Murmeltier und Kalkgipfeln im Rätikon (Illustration)

Ein Hochtal über 2.000 Metern, ein tiefblauer Bergsee, eines der schönsten Murmeltiergebiete Vorarlbergs und im Berg darunter das längste und tiefste Höhlensystem des Landes: Die Tilisuna in der Montafoner Gemeinde Tschagguns liegt am Ende des Gampadelstals im Rätikon. Am 26. Oktober 2026 tritt sie für Vorarlberg bei “9 Plätze - 9 Schätze” an, als Finalist, zu dem weder eine Straße noch eine Bahn hinaufführt.

Tilisuna auf einen Blick

  • Lage: Hochtal am Ende des Gampadelstals, Gemeinde Tschagguns, Montafon, Rätikon
  • Hütte: Tilisunahütte auf 2.211 Metern, 1878 erbaut, Alpenverein Vorarlberg
  • See: Tilisunasee, Kernstück eines 482 Hektar großen Biotops
  • Höhle: Weißplatten-Höhlensystem mit über 4.200 Metern Länge und über 500 Metern Tiefe
  • Alpe: Tilisuna Alpe auf 1.970 Metern, die höchstgelegene Kuhalpe Vorarlbergs
  • Anstieg: ab dem Wanderparkplatz Latschau rund 3,5 bis 4,5 Stunden
  • Schutzstatus: Weißzone, ein besonders naturnahes, wenig erschlossenes Gebiet

Weißzone: Hier hat die Natur Vorrang

Wer die Tilisuna erwandern will, braucht Ausdauer: Ein Stück weit hilft das E-Bike, auf der letzten Etappe ist jede und jeder auf die eigenen Beine angewiesen. Das ist Absicht. In der Vorarlberger Raumordnung heißen solche Gebiete Weißzonen, sie sind besonders naturnah, wenig erschlossen und für die Natur als Rückzugsraum unverzichtbar. Die Zone reicht von der Sulzfluh (2.818 m) und dem Tilisuna-Schwarzhorn (2.460 m) im Westen über die Talschulter des Gampadelsbachs bis zum Tilisuna-Seehorn (2.342 m) und dem Montedona-Kopf (2.298 m) im Osten, die Südgrenze bildet die Staatsgrenze zur Schweiz.

Durch eines der schönsten Murmeltiergebiete des Landes führt der Weg zu einer bedeutenden geologischen Grenze: Hier stoßen dunkles Urgestein und helle Kalkfelsen aufeinander, in den Worten des ORF trifft altes ostalpines Gebirge auf Reste eines ehemaligen Ozeanbodens. Kaum anderswo in Vorarlberg wechselt das Land so unmittelbar von saftigen Alpwiesen zu schroffen weißen Kalkfelsen.

Die Hütte und der See

Auf 2.211 Metern thront die Tilisunahütte in einem hügeligen, grasbewachsenen Hochtal. Gebaut wurde sie 1878, sie zählt zu den ältesten Schutzhütten im Rätikon und ist beliebter Stopp auf mehrtägigen Hüttenwanderungen, auch der Zentralalpenweg führt vorbei. Unter der Hütte liegt der Tilisunasee, ein typischer Hochgebirgssee mit großen flachen Uferzonen, die langsam verlanden. An seinem Südufer liegt das “Seeriad”, ein Braunseggen-Flachmoor, in dem Bergmolch und Grasfrosch leben. Der Seebach fließt kurz nach dem See kaskadenartig über Gletscherschliffe, die “Sätz”.

Über dem Wasser breitet sich ein Panorama aus, das vom Lechquellengebirge über die Lechtaler Alpen bis zu Verwall und Rätikon reicht. Ein altes Zollhaus im Gebiet erinnert an die Nähe zur Schweiz.

Das Weißplatten-Höhlensystem

Die Weißplatte (2.630 m) verdankt ihren Namen dem hellen Sulzfluhkalk, der am Gipfel rund 700 Meter mächtig ist, einem versteinerten Überrest des Jura-Meeres vor etwa 200 Millionen Jahren. Ihr eigentliches Geheimnis liegt innen: Sie birgt das längste und tiefste bekannte Höhlensystem Vorarlbergs. Die bedeutendste Höhle, die Mäanderhöhle, wurde 1985 entdeckt und löste Jahre intensiver Höhlenforschung aus. 2012 gelang die Verbindung zwischen Mäanderhöhle und Weißplatten-Schacht 93, seither misst das System über 4.200 Meter in der Länge und über 500 Meter in der Tiefe. Begehbar ist es nur für absolute Profis, es sind Schachthöhlen mit vielen Verzweigungen.

Die höchstgelegene Kuhalpe

Die Tilisuna Alpe liegt etwas unterhalb der Hütte auf 1.970 Metern und zählt zu den alten Alpen des Montafons. Neben Milchkühen und Kälbern kommt auch ein gutes Dutzend Schweine mit ins Hochgebirge. In einer Sommersaison verarbeiten Sennerinnen und Senner hier fast 80.000 Liter Milch zum “Sura Kees”, der Montafoner Käsespezialität, sowie zu Alpbutter und Alpkäse.

Anreise und der Zeitpunkt des Besuchs

Mit dem Auto nehmen Sie die A14 bis zur Abfahrt Bludenz-Montafon, die L188 bis Tschagguns und die Latschaustraße bis zum Wanderparkplatz Latschau. Mit den Öffis fahren Sie zum Bahnhof Bludenz oder Schruns und von dort mit dem Bus 601 bis Golmerbahn/Latschau. Ab dem Wanderparkplatz dauert der Anstieg über die Alpila-Alpe und den Schwarzhornsattel rund dreieinhalb bis viereinhalb Stunden.

Wichtig für den Herbst: Die Sommersaison der Hütte 2026 lief vom 12. Juni bis 4. Oktober, die letzte Übernachtung war am 3. Oktober. Seit dem 4. Oktober ist die Hütte nicht mehr bewirtschaftet. Frei zugänglich bleibt ein unversperrter Notraum mit acht Schlafplätzen, Licht und Heizung laufen dort über einen Münzzähler (2 Euro für vier Stunden Strom), ein versperrter Winterraum lässt sich über die Geschäftsstelle des Alpenverein Vorarlberg buchen. Wer jetzt in 2.000 Metern Höhe unterwegs ist, muss mit Schnee und frühem Dunkel rechnen und sollte die Wetterlage vorher prüfen. Die Hütte hat dafür eine eigene Wetterseite. Kontakt: Gemeinde Tschagguns, Telefon +43 5556 72239, Hütte +43 664 1472896.

Die Tilisuna bei 9 Plätze - 9 Schätze

Für Vorarlberg tritt mit der Tilisuna ein Platz an, der ohne Auto und ohne Lift auskommt. Das Patenpaar sind Sabine Haag und die “Vorarlberg heute”-Moderatorin Christiane Schwald-Pösel. Vorarlberg führt die Siegerliste mit vier Erfolgen an: Formarinsee und Rote Wand (2015), Körbersee (2017), Lünersee (2019) und Wiegensee (2021). Alle neun Finalisten und die Wertung stehen in der Übersicht zu 9 Plätze - 9 Schätze 2026.

Weitere Ausflugsziele und Reisen finden Sie in unserer Reisen-Rubrik.

FAQ: Häufige Fragen zur Tilisuna

Wo liegt die Tilisuna?

Am Ende des Gampadelstals in der Montafoner Gemeinde Tschagguns in Vorarlberg, im Rätikon an der Grenze zur Schweiz.

Wie lange dauert der Aufstieg zur Tilisunahütte?

Ab dem Wanderparkplatz Latschau über die Alpila-Alpe und den Schwarzhornsattel rund 3,5 bis 4,5 Stunden. Mit dem Auto ist die Tilisuna nicht erreichbar.

Ist die Tilisunahütte im Herbst 2026 noch offen?

Nein, die Sommersaison endete am 4. Oktober 2026. Ein Notraum mit acht Schlafplätzen bleibt frei zugänglich.

Was ist das Weißplatten-Höhlensystem?

Das längste und tiefste bekannte Höhlensystem Vorarlbergs mit über 4.200 Metern Länge und über 500 Metern Tiefe. Es ist nur für erfahrene Höhlenforscher begehbar.

Was ist eine Weißzone?

Ein besonders naturnahes, wenig erschlossenes Gebiet in der Vorarlberger Raumordnung, das für die Natur als Rückzugsraum unverzichtbar ist.

Wie hoch liegt die Tilisunahütte?

Auf 2.211 Metern. Sie wurde 1878 erbaut und zählt zu den ältesten Hütten im Rätikon.

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