
Um Punkt Mitternacht schlägt die Pummerin im Stephansdom zwölf Mal, Radio und Fernsehen übertragen die Glocke live, dann setzt der Donauwalzer ein. Auf dem Silvesterpfad tanzen in diesem Moment Hunderttausende im Dreivierteltakt: Zum Jahreswechsel 2025/26 waren es laut Stadt Wien rund 550.000 Menschen.
Der Silvesterpfad 2026: was feststeht
Laut Wien Tourismus findet der Silvesterpfad am 31. Dezember 2026 von 14 bis 2 Uhr statt, die Gastronomiestände öffnen schon um 11 Uhr. Der Eintritt ist an allen acht Orten frei:
- Freyung, Am Hof und Graben
- Stephansplatz, Kärntner Straße und Neuer Markt
- Rathausplatz
- Riesenradplatz im Prater
Das Bühnenprogramm für 2026 hat die Stadt noch nicht bekanntgegeben. Zum letzten Jahreswechsel gab es am Graben am Nachmittag Walzer-Schnellkurse, auf dem Rathausplatz stand die größte Bühne. Alle Silvestertermine 2026/27 mit Uhrzeiten und Preisen, von der Fledermaus bis zur Gala, sammelt Silvester in Wien auf topwien.at.
Wien Tourismus selbst rät, den Pfad lieber schon am frühen Nachmittag zu besuchen. Dann gibt es Punsch und Musik ohne das Gedränge, das gegen Mitternacht am Stephansplatz herrscht.
Mitternacht auf Wienerisch: Pummerin, Donauwalzer, Neujahrsbussi
Die Pummerin läutet nur zu besonderen Anlässen, der Jahreswechsel ist einer davon. Danach kommt der Donauwalzer von Johann Strauss, und zwar überall: am Stephansplatz, in den Wohnzimmern, auf den Partys. Wer tanzt, tanzt Walzer. Das Neujahrsbussi um Mitternacht gilt in Wien als Pflicht.
Rund um den Moment selbst haben sich einige Wiener Gewohnheiten gehalten. Viele beginnen den Silvestertag mit einem Sektfrühstück mit Lachs. Am Abend schauen viele Wienerinnen und Wiener die Silvesterfolge der Kultserie „Ein echter Wiener geht nicht unter”. Auf dem Tisch liegen die Glücksfische von Manner, und die isst man laut Wiener Überlieferung bei der Flosse beginnend, damit das Glück nicht davonschwimmen kann. Den Abschluss der Nacht macht für nicht wenige der Würstelstand.
Glücksbringer und was sie bedeuten

Kleine Schweinchen, Rauchfangkehrer und Kleeblätter gehören in Österreich zum Jahreswechsel wie der Sekt. Was hinter den Figuren steckt, hat der ORF zusammengetragen.
| Glücksbringer | Wofür er steht |
|---|---|
| Glücksschwein | Im frühen Mittelalter stand das Schwein für Reichtum. „Schwein gehabt” soll auf Wettkämpfe zurückgehen, bei denen der Verlierer ein Schwein bekam. |
| Rauchfangkehrer | Er hielt die Häuser warm und senkte die Brandgefahr. Ihn zu berühren soll Glück bringen. |
| Vierblättriges Kleeblatt | Soll auf Reisen vor Unglück schützen. |
| Hufeisen | Woher der Brauch kommt, ist unklar. Strittig ist auch die Richtung: Öffnung nach oben fängt das Glück, nach unten schüttet es über alle aus, die durch die Tür gehen. |
| Fliegenpilz | Giftig, aber trotzdem Glückssymbol. Die Deutung geht auf eine nordische Sage zurück. |
| Marienkäfer | Gilt als Himmelsbote, der Kinder beschützt. Einer mit sieben Punkten bringt besonders viel Glück. |
Bleigießen ist vorbei, Wachsgießen nicht

Das Orakeln mit geschmolzenem Blei gehört für viele zum Silvesterabend, die klassischen Sets gibt es aber nicht mehr. Seit 2018 dürfen sie in der EU nicht mehr verkauft werden: Die Metallmischung enthielt laut Öko-Test mehr als 70 Prozent Blei, erlaubt sind in solchen Produkten seither nur noch 0,3 Prozent.
Die einfachste Alternative ist Wachsgießen. Dafür reichen alte Kerzenreste, ein Löffel und eine Schüssel kaltes Wasser. Das Wachs wird über einer Kerzenflamme geschmolzen und ins Wasser gegossen, gedeutet wird die Form wie früher beim Blei. Für Kinder ist das die sicherere Variante, weil keine giftigen Dämpfe entstehen.
Feuerwerk: was in Wien erlaubt ist
Raketen und Knallkörper ab Kategorie F2 dürfen in ganz Wien nicht gezündet werden, auch nicht zu Silvester. Wien ist Ortsgebiet, und dort gilt das Verbot des Pyrotechnikgesetzes. Erlaubt sind nur Artikel der niedrigsten Kategorie: Tischfeuerwerk, Wunderkerzen, Knallerbsen und Konfettiartikel. Verstöße kosten bis zu 3.600 Euro.
Wer Haustiere hat, plant den Abend trotzdem so, als würde es knallen: Das Verbot wird in der Praxis nicht überall eingehalten.
Öffis in der Silvesternacht
Die U-Bahn fährt in der Silvesternacht durchgehend, dazu viele Straßenbahn- und Buslinien. Tagsüber gilt am 31. Dezember der Samstagsfahrplan. Zum letzten Jahreswechsel war die U-Bahn-Station Stephansplatz ab 21 Uhr gesperrt, aus Sicherheitsgründen. Wer zur Pummerin will, steigt deshalb besser schon bei Herrengasse, Stubentor oder Karlsplatz aus und geht die letzten Minuten zu Fuß. Den Fahrplan für 2026 veröffentlichen die Wiener Linien im Dezember.
Silvester mit Kindern in Wien
Mit kleinen Kindern ist der Silvesterpfad am frühen Nachmittag die bessere Wahl, dann ist es deutlich ruhiger als in den Stunden vor Mitternacht. Den Rest des Abends verbringen Familien mit kleinen Kindern meist entspannter zu Hause.
Für den Abend daheim helfen kleine Rituale: Glücksbringer basteln, gemeinsam Wachs gießen, um 18 Uhr einen eigenen Kinder-Countdown starten. Weitere Ideen sammelt familienjournal.com in Silvester mit Kindern: 10 Ideen für die ganze Familie.
Neujahrstag: das Neujahrskonzert 2027
Am 1. Jänner 2027 dirigiert Tugan Sokhiev das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Er folgt auf Yannick Nézet-Séguin, der das Konzert 2026 geleitet hat. Die Wiener Chormädchen treten diesmal als eigenständiges Ensemble auf, ohne die Sängerknaben.
Wer keine Karten hat, kann gratis zuschauen: Das Konzert wird am 1. Jänner ab 11.15 Uhr live aus dem Musikverein auf den Stephansplatz und auf den Riesenradplatz im Prater übertragen. Das erste Konzert dieser Art spielten die Philharmoniker am 31. Dezember 1939, seit 1941 findet es am Neujahrstag statt.
Wer am Silvesterabend lieber selbst Musik hören will: Die Staatsoper spielt am 31. Dezember traditionell Johann Strauss’ „Fledermaus”, 2026 ebenfalls, eine weitere Vorstellung folgt am Neujahrstag.
Häufige Fragen zu Silvester in Wien
Wann beginnt der Silvesterpfad 2026?
Am 31. Dezember 2026 um 14 Uhr, er endet um 2 Uhr. Die Gastronomie öffnet bereits um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Darf man in Wien zu Silvester Raketen zünden?
Nein. Feuerwerk ab Kategorie F2, also Raketen und Böller, ist in ganz Wien verboten. Erlaubt sind nur Tischfeuerwerk, Wunderkerzen, Knallerbsen und Konfettiartikel. Verstöße kosten bis zu 3.600 Euro.
Wo kann man das Neujahrskonzert gratis sehen?
Am 1. Jänner ab 11.15 Uhr auf Großbildschirmen am Stephansplatz und am Riesenradplatz im Prater, außerdem live im ORF.
Warum gibt es kein Bleigießen mehr?
Weil die Sets seit 2018 in der EU nicht mehr verkauft werden dürfen. Sie enthielten mehr als 70 Prozent Blei. Wachsgießen mit Kerzenresten funktioniert genauso und ist ungiftig.
Was passiert in Wien um Mitternacht?
Die Pummerin im Stephansdom schlägt zwölf Mal, Radio und Fernsehen übertragen das Läuten live. Danach spielt der Donauwalzer, zu dem in ganz Wien getanzt wird.