
Ein akademischer Abschluss neben Vollzeitjob und Familie klingt nach einem Ding der Unmöglichkeit. Ein Fernstudium macht genau das machbar, weil es sich zeitlich und räumlich an den eigenen Alltag anpasst statt umgekehrt. Für viele Frauen, die sich weiterqualifizieren oder nach der Karenz beruflich neu aufstellen wollen, ist es deshalb die realistischste Form der Weiterbildung. In Österreich gibt es dafür etablierte, staatlich anerkannte Wege, vom Bachelor bis zum MBA.
Wie ein Fernstudium funktioniert
Beim Fernstudium findet der Großteil des Lernens ortsunabhängig statt. Statt täglicher Anwesenheit in Hörsälen erhalten Studierende digitale Lernunterlagen, Videovorlesungen und Aufgaben über eine Online-Lernplattform und teilen sich den Stoff weitgehend selbst ein. Ergänzt wird das durch überschaubare Präsenzphasen, meist an Wochenenden, sowie Online-Meetings, Prüfungen und den Austausch mit Lehrenden und Kommilitoninnen. Diese Mischung erlaubt es, das Studium rund um Dienstpläne, Kinderbetreuung und Familienalltag zu organisieren.
Der Preis dieser Freiheit ist Selbstdisziplin. Wer sich den Stoff frei einteilt, muss sich auch selbst motivieren, dranbleiben und Lernphasen fest im Kalender verankern. Wer das schafft, gewinnt eine Flexibilität, die ein klassisches Präsenzstudium neben dem Beruf schlicht nicht bietet.
Die wichtigsten Anbieter in Österreich
Für ein Fernstudium in Österreich gibt es zwei besonders relevante staatliche Adressen, dazu eine bekannte Option aus dem Nachbarland.
Ferdinand Porsche FernFH
Die Ferdinand Porsche FernFH in Wiener Neustadt ist die einzige rein auf Fernstudium spezialisierte Fachhochschule Österreichs. Sie wurde 2006 gegründet und ist staatlich anerkannt. Angeboten werden Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Weiterbildungen und MBA-Programme, etwa in Wirtschaft, Wirtschaftsinformatik oder Gesundheitsmanagement. Ein Semester besteht typischerweise aus wenigen Präsenzblöcken zu je zwei Tagen (Freitag und Samstag) und dazwischenliegenden Selbstlernphasen. Als öffentliche Fachhochschule verlangt die FernFH für die regulären Studiengänge lediglich den gesetzlichen Studienbeitrag von 363,36 Euro pro Semester zuzüglich ÖH-Beitrag. Bei den Weiterbildungs- und MBA-Programmen fallen abweichende, höhere Kosten an.
Universität für Weiterbildung Krems
Die Universität für Weiterbildung Krems, früher als Donau-Universität Krems bekannt, ist auf die akademische Weiterbildung Berufstätiger spezialisiert und eine der größten Anbieterinnen postgradualer Programme in Europa. Rund 8.000 Studierende sind hier eingeschrieben. Die MBA-Programme dauern in der berufsbegleitenden Variante vier Semester und umfassen 90 ECTS-Punkte. Studierende können zwischen einem reinen Online-Fernstudium und einer Blended-Learning-Variante mit Präsenzphasen am Campus wählen, ein Einstieg ist ganzjährig möglich. Die Kosten unterscheiden sich je nach Format deutlich: Der MBA General Management kostet in der Distance-Learning-Variante rund 10.900 Euro, als Blended-Learning-Programm rund 17.900 Euro.
FernUniversität in Hagen
Viele Österreicherinnen nutzen zusätzlich die staatliche FernUniversität in Hagen in Deutschland, die größte Fernuniversität im deutschsprachigen Raum. Sie ist öffentlich und vergleichsweise günstig, verlangt aber ein hohes Maß an Eigenorganisation. Wer einen Abschluss aus dem Ausland anstrebt, sollte vorab die Anerkennung in Österreich klären.

Der MBA als Karrierebaustein
Besonders gefragt unter berufstätigen Frauen ist der MBA, der Master of Business Administration. Er richtet sich an Menschen mit Berufserfahrung, die Führungskompetenzen aufbauen und sich für Managementaufgaben qualifizieren wollen. Anders als ein grundständiges Studium setzt ein MBA in der Regel einen ersten akademischen Abschluss oder einschlägige Berufspraxis voraus. Inhaltlich geht es um Betriebswirtschaft, Strategie, Führung und oft eine gewählte Spezialisierung. Als Fernstudium absolviert, lässt sich der MBA neben einer verantwortungsvollen Position bewältigen, was ihn für den nächsten Karriereschritt attraktiv macht. Wichtig ist, vor der Anmeldung die Zulassungsvoraussetzungen und die Reputation des Programms genau zu prüfen, denn die Bezeichnung MBA ist nicht überall gleich viel wert.
Für wen sich ein Fernstudium besonders eignet
Die Vorteile liegen dort, wo Zeit und Ortsgebundenheit sonst zum Problem werden. Ein Fernstudium passt gut, wenn Sie:
- berufstätig sind und Ihren Job während der Ausbildung behalten möchten,
- Familie und Kinderbetreuung mit dem Lernen vereinbaren müssen,
- abseits der großen Universitätsstädte wohnen und lange Anfahrten vermeiden wollen,
- sich den Lernstoff lieber flexibel und im eigenen Tempo einteilen.
Weniger geeignet ist es für alle, die viel äußere Struktur und den täglichen persönlichen Austausch brauchen, um am Ball zu bleiben. Ehrlich einzuschätzen, wie gut man sich selbst organisiert, erspart später Frust und Studienabbruch.
Kosten, Förderungen und Finanzierung
Die Kosten reichen vom günstigen gesetzlichen Studienbeitrag an einer öffentlichen Fachhochschule bis zu fünfstelligen Beträgen für einen renommierten MBA. Neben den Studiengebühren sollten Sie Ausgaben für Literatur, Prüfungen und gelegentliche Anreisen zu Präsenzterminen einplanen. Für die Finanzierung gibt es mehrere Wege: Manche Arbeitgeber beteiligen sich an berufsbezogener Weiterbildung, weil sie direkt vom neuen Wissen profitieren. Daneben bestehen öffentliche Förderungen und Bildungsangebote, über die das Arbeitsmarktservice, die Arbeiterkammer und regionale Stellen informieren. Es lohnt sich, vor Studienbeginn eine kostenlose Bildungsberatung in Anspruch zu nehmen und die aktuellen Fördermöglichkeiten abzuklären, da sich Modelle und Beträge regelmäßig ändern.

So gelingt das Fernstudium neben Job und Familie
Ob ein Fernstudium zum Erfolg wird, entscheidet sich weniger an der Intelligenz als an der Organisation. Feste Lernzeiten, die genauso ernst genommen werden wie berufliche Termine, sind der wichtigste Baustein. Hilfreich ist außerdem, die Familie früh einzubinden und klar zu kommunizieren, dass Sie in bestimmten Zeitfenstern nicht verfügbar sind. Kleine, regelmäßige Lerneinheiten schlagen die große Aufholjagd vor der Prüfung, und der Austausch mit anderen Studierenden hält bei Durchhängern motiviert. Weil das Fernstudium zusätzlich Zeit im ohnehin vollen Wochenplan beansprucht, gilt es, realistisch zu bleiben und die Belastung nicht zu unterschätzen. Wie sich der Alltag zwischen Beruf und Familie überhaupt fair verteilen lässt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Der Aufwand zahlt sich in der Regel aus. Eine höhere Qualifikation verbessert nicht nur die Aufstiegschancen, sondern wirkt sich langfristig auch auf das Einkommen aus, wie unser Überblick dazu zeigt, was Frauen in Österreich verdienen. Wer bereit ist, für eine begrenzte Zeit Mehrarbeit auf sich zu nehmen, schafft sich damit oft dauerhaft bessere berufliche Perspektiven.
Stand: 2026. Angaben zu Gebühren und Programmen ohne Gewähr, bitte vor der Anmeldung direkt bei der jeweiligen Hochschule prüfen. Quellen: Ferdinand Porsche FernFH und Universität für Weiterbildung Krems: MBA.