
Ab etwa Mitte 40 lässt bei den meisten Menschen die Fähigkeit nach, in der Nähe scharf zu sehen - die Lesebrille wird zum ständigen Begleiter. Die Multifokallinse verspricht Abhilfe: Sie soll scharfes Sehen in allen Entfernungen ermöglichen, ganz ohne Brille. Wir erklären, wie die Kunstlinse funktioniert, für wen sie geeignet ist, was sie kostet und welche Vor- und Nachteile es gibt.
- Multifokallinsen ermöglichen scharfes Sehen in Nähe, Ferne und mittlerer Entfernung
- Viele Patientinnen brauchen danach im Alltag keine Brille mehr
- Die Kosten liegen meist bei etwa 1.700 bis 3.000 Euro pro Auge
- Die Krankenkasse zahlt in der Regel nur die einfache Standardlinse (Monofokallinse)
Was ist eine Multifokallinse?
Eine Multifokallinse ist eine künstliche Linse (Intraokularlinse), die die natürliche Augenlinse ersetzt. Anders als eine Standardlinse, die nur eine Sehschärfe bietet, hat die Multifokallinse mehrere Brennpunkte. Dadurch kann das Auge in verschiedenen Entfernungen scharf sehen - beim Lesen in der Nähe ebenso wie in der Ferne. Man unterscheidet je nach Zahl der Brennpunkte zum Beispiel Bifokal- (zwei) und Trifokallinsen (drei Entfernungsbereiche). Ziel ist ein Leben weitgehend ohne Brille.
Wann kommt eine Multifokallinse infrage?
Es gibt zwei typische Situationen. Zum einen bei der Operation des Grauen Stars (Katarakt): Ist die natürliche Linse eingetrübt und muss ohnehin entfernt werden, kann statt der Standardlinse eine Multifokallinse eingesetzt werden. Zum anderen als reiner Wunscheingriff bei Alterssichtigkeit, um die Lesebrille loszuwerden - hier spricht man vom refraktiven Linsenaustausch. Ein angenehmer Nebeneffekt: Wer eine Kunstlinse erhält, kann später nicht mehr am Grauen Star erkranken, da die natürliche Linse bereits ersetzt wurde.
Der Ablauf des Eingriffs
Der Eingriff ist ein Routineverfahren der modernen Augenheilkunde und dauert pro Auge nur etwa 15 bis 30 Minuten. Er wird ambulant und mit betäubenden Augentropfen durchgeführt, sodass man keine Schmerzen hat. Die getrübte oder natürliche Linse wird entfernt und die Kunstlinse eingesetzt. Schon am Tag danach stellt sich meist eine Verbesserung ein, die endgültige Sehschärfe ist in der Regel nach vier bis sechs Wochen erreicht. Beide Augen werden üblicherweise nacheinander operiert.
Die Vorteile
- Brillenfreiheit: Viele Menschen brauchen nach dem Eingriff im Alltag keine Brille mehr - weder zum Lesen noch für die Ferne.
- Dauerhafte Lösung: Die Kunstlinse bleibt ein Leben lang und trübt sich nicht ein.
- Kein Grauer Star mehr: Da die natürliche Linse entfernt ist, kann kein Katarakt mehr entstehen.
- Mehr Lebensqualität: Kein Suchen der Lesebrille, kein Wechseln - das empfinden viele als große Erleichterung.
Die Nachteile und Risiken
So verlockend die Brillenfreiheit klingt - es gibt auch Schattenseiten, über die man Bescheid wissen sollte. Der häufigste Nachteil ist eine erhöhte Blendempfindlichkeit: Manche Menschen nehmen nachts Lichthöfe oder Streulicht um Lichtquellen wahr, was besonders beim Autofahren im Dunkeln stören kann. Zudem muss sich das Gehirn erst an das Sehen mit mehreren Brennpunkten gewöhnen - das dauert Wochen bis Monate. Nicht jeder ist geeignet: Bei bestimmten Netzhaut- oder Hornhauterkrankungen können Multifokallinsen nicht eingesetzt werden. Und schließlich ist der Eingriff kostenintensiv. Eine gründliche Voruntersuchung klärt, ob die Linse für die individuellen Augen infrage kommt.
Multifokal- oder Monofokallinse?
Wer eine Kunstlinse braucht, steht vor der Wahl. Die Monofokallinse ist die Standardlinse: Sie bietet scharfes Sehen in nur einer Entfernung - meist der Ferne - und wird von der Krankenkasse bezahlt. Für die Nähe braucht man dann weiterhin eine Lesebrille. Die Multifokallinse dagegen ermöglicht scharfes Sehen in mehreren Entfernungen und macht die Brille oft überflüssig, kostet aber Aufpreis und kann Blendeffekte verursachen. Die Entscheidung hängt von den eigenen Ansprüchen ab: Wer maximale Brillenunabhängigkeit will und die Kosten tragen kann, ist mit der Multifokallinse gut beraten. Wer Wert auf ein besonders kontrastreiches, klares Sehen legt und die Lesebrille nicht stört, fährt mit der Monofokallinse günstiger und mit weniger Nebenwirkungen.
Was kostet eine Multifokallinse?
Multifokallinsen sind eine Zusatzleistung und entsprechend teuer. Die Kosten liegen je nach Linsentyp und Aufwand meist bei etwa 1.700 bis 3.000 Euro pro Auge - Trifokallinsen am oberen Ende. Wichtig für die Kostenfrage: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt bei einer Grauer-Star-Operation nur die einfache Monofokallinse. Entscheidet man sich für die höherwertige Multifokallinse, muss man den Aufpreis selbst tragen. Beim reinen Wunscheingriff ohne medizinische Notwendigkeit zahlt man ohnehin alles selbst. Ein transparentes Kostenangebot inklusive Voruntersuchung und Nachsorge sollte vorab vorliegen.
Häufige Fragen zur Multifokallinse
Ist der Eingriff schmerzhaft?
Nein. Die Operation erfolgt mit betäubenden Augentropfen, man spürt keine Schmerzen. Der Eingriff dauert pro Auge nur etwa 15 bis 30 Minuten.
Hält eine Multifokallinse ein Leben lang?
Ja. Die Kunstlinse bleibt dauerhaft im Auge und trübt sich - anders als die natürliche Linse - nicht ein. Ein Grauer Star kann danach nicht mehr entstehen.
Zahlt die Krankenkasse die Multifokallinse?
In der Regel nein. Übernommen wird nur die einfache Monofokallinse; den Aufpreis für die Multifokallinse muss man selbst tragen.
Fazit
Die Multifokallinse kann für Menschen mit Alterssichtigkeit oder Grauem Star ein echter Gewinn an Lebensqualität sein: scharfes Sehen in allen Entfernungen und ein Leben weitgehend ohne Brille. Der Eingriff ist etabliert und sicher, hat aber seinen Preis und ist nicht für jeden geeignet. Wer damit liebäugelt, sollte sich in einer seriösen Augenklinik gründlich beraten und untersuchen lassen - und die möglichen Nachteile wie die Blendempfindlichkeit realistisch einkalkulieren. Dann steht der klaren Sicht in jedem Alter wenig im Weg.
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Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.